Samstag, 5. Januar 2013

Triggerpunkt-Therapie


Triggerpunkt-Therapie


Die Triggerpunkt-Therapie ist in der Medizin noch ein wenig bekanntes und erforschtes Gebiet. Dr. Janet Travell war die Pionierin für die Diagnose und Behandlung auf dem Gebiet der sogenannten „Myofaszialschmerzen“. Sie schrieb die ersten Artikel über ihre Forschungen in den medizinischen Fachzeitschriften schon im Jahre 1942. Zusammen mit Dr. David Simons hat sie das Handbuch der Muskel-Triggerpunkte geschrieben.

Was ist ein Triggerpunkt?

Travell und Simons definieren einen Triggerpunkt als einen leicht erregbaren abgrenzenden Punkt in Form einen Knötchens in einem spürbar angespannten  Muskelfaserbündel. Oft fühlen sich diese Knoten wie eine halbgare Makkaroni an, dessen Größe von der eines Stecknadelkopfes bis zu einer Erbse reichen kann.
Der Knoten besteht aus einer Masse von Sarkomeren im Zustand maximaler dauerhafter Kontraktion einer Muskelfaser. Dadurch wird die Blutzufuhr im unmittelbaren Umfeld eingeschränkt, was wiederum zum Sauerstoffmangel und zur Ansammlung von Stoffwechselabfallprodukten führt. Die angespannten Muskelfaserstränge halten die Sehnen unter Spannung  und führen häufig zu Schmerzsymptomen in den angrenzenden Gelenken.
Nach Travell und Simons Auffassung spielen Triggerpunkte in 85 Prozent der Schmerzen eine Rolle. Sie entdeckten,  dass die Triggerpunkte oft zu Übertragungsschmerzen führen, die in sehr zuverlässigen und kaum variierenden Mustern  auftreten.

Zentrale Triggerpunkte
Zentrale Triggerpunkte entstehen im Mittelpunkt der Muskelfaser (im sog. Muskelbauch). An der Stelle, wo der motorische Nerv in den Muskel eintritt und zur Kontraktion bringt. Zentrale oder sog. primäre Triggerpunkte sind die Hauptverursacher für Übertragungsschmerzen.

Satellitentriggerpunkte
Als Satellitentriggerpunkt wird ein Triggerpunkt bezeichnet, der in der  Schmerz-Übertragungszone eines anderen Muskels entsteht. Bei langfristigen chronischen Schmerzen entstehen ganze Ketten von Satellitentriggerpunkten, die zahlreiche Muskeln miteinander verknüpfen. Satellitentriggerpunkte unterliegen dem primären Einfluss der zentralen Triggerpunkte. Wenn man die primären Triggerpunkte deaktiviert, lösen sich die Satellitentriggerpunkte manchmal ohne jede Behandlung von selbst auf.

Insertionstriggerpunkte
Insertionstriggerpunkte entstehen am  Muskel-Sehnen-Übergang, wo der Muskel mit dem Knochen verbunden ist. Sie sind Sekundärphänomene und unterliegen stets dem Einfluss zentralen Triggerpunkten im Muskelbauch.

Wirkung der Triggerpunkte

Wirkung auf den Bewegungsapparat
Triggerpunkte bewirken, dass die ihnen zugeordnete Muskelfasern stark kontrahieren. Das führt zur Verkürzung und Versteifung der Muskeln. Die stark angespannten Muskelfaserstränge halten dabei die Sehnen ständig unter Spannung, was häufig zu Schmerzsymptomen in angrenzenden Gelenken führt. Das kann unteranderem die Beweglichkeit und Kraftentfaltung beeinflussen.

Wirkung auf Gefäße und Nerven
Muskeln, die durch Triggerpunkte oft verkürzt und vergrößert sind, üben häufig Druck auf nahe liegende Nerven aus. Besonders sind Nerven betroffen, die durch einen Muskeln verlaufen. Dadurch können elektrische Signale, die der Nerv übermittelt, verändert werden. Das kann zu abnormen Empfindungen, wie Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühl und Hypersensibilität führen.
Triggerpunkte können auch die Gefäße einschränken, was zu Störung des Blutflusses führt. Dabei können Kälteempfindungen auftreten.
Triggerpunkte können  unterschiedliche Symptomen verursachen, wie zum Beispiel Kopf-, Rücken-, Gelenkschmerzen sowie Schmerzen im Bauch- und Brustbereich.

Entstehung von Triggerpunkten
Ursachen für die Entstehung von Triggerpunkten können Unfälle, Stürze, Verspannungen und Überlastungen von Muskeln sein. Auch systemische Faktoren, wie Vitaminmangel können für Entstehung von Triggerpunkten ausschlaggebend sein.

Therapiemethoden zur Selbstbehandlung
Die Selbstmassage von Triggerpunkten bewirkt drei Dinge: sie unterbricht die chemische und neurologische Feedbackschleife, welche die Muskelkontraktion aufrechterhält; verbessert die Blutzirkulation; dehnt die knotigen Muskelfasern.

Ischämische Kompression
In der therapeutischen Behandlung ist es oft üblich, auf die Triggerpunkte eine bestimmte Anzahl von Sekunden statisch zu drücken, bis sie sich „lösen“. Dies wird ischämische Kompression genannt. 

Tiefstreichende Massage
Nach Travell und Simons ist die  tiefstreichende Massage die wirksamste Methode der therapeutischen Triggerpunkt-Behandlung. Im Vergleich zu statischem Druck bei ischämischer Kompression führt man bei der  tiefstreichenden  Massagetechnik über die Triggerpunkte eine Anzahl von Massagestrichen aus.

Vorteile
Durch wiederholte „Melkbewegungen“ entfernt man effektiv Blut und Lymphflüssigkeit aus dem Knoten. Dadurch werden Stoffwechselabfallprodukte besser abtransportiert und frisches Blut führt dem behandelten Bereich Sauerstoff und Nährstoffe zu.
Durch wiederholte Massagestriche ist ein unterbrochener Schmerz leichter zu ertragen. Das ermöglicht das tiefere Einwirkgen auf das Gewebe. Ein weiterer Vorteil der  tiefstreichenden Technik,  dass die Muskelfasern besser gedehnt werden.

Tipp:  führen Sie bei tiefen Massagestrichen die Finger zusammen über das Gewebe. Das hilft, die unter der Haut liegenden Faszien zu lösen. Die Festigkeit der Faszien spielt eine wichtige Rolle bei den Schmerzproblemen. 

Ausführung
·     Massieren Sie mit kurzen, langsamen Strichen.
·     Massieren Sie mit 6 bis 12 Strichen pro Triggerpunkt.
·     Führen Sie den Massagestrich nur in eine Richtung aus, die Ihnen am besten erscheint.
·     Streben Sie eine Schmerzstärke von 7 bis 8 von einer Schmerzskala 1 bis 10 an.
·     Arbeiten Sie an einem Triggerpunkt 6 bis 12 Mal täglich.
·     Eine Massage sollte solange fortgeführt werden, bis der Triggerpunkt auf Druck nicht mehr mit Schmerz reagiert.

Achtung: Versuchen Sie niemals, einen Triggerpunkt mit Gewalt aufzulösen. Wenn Sie keine Wirkung erzielen, dann arbeiten Sie mit zu starkem Druck oder an der falschen Stelle.

Guter Schmerz
Elektrische Impulse, welche durch ein geringes Maß  an selbst verursachten Schmerzen entstehen, wirken therapeutisch, da sie die neurologische Feedbackschleife unterbrechen, die den Triggerpunkt aufrechterhält.
Um maximale Wirkung zu erzielen, sollte man nur so viel Druck anwenden, dass ein „guter“ heilender Schmerz entsteht. Bei der Massage wird als positiver Effekt des Schmerzes eine große Menge des natürlichen körpereigenen Schmerzmittels „Endorphin“ ausgeschüttet.  Dies führt zu einer schnellen Schmerzlinderung in dem behandelten Bereich.

Tipp: bei sehr schmerzhaften Triggerpunkten  können Sie gleich am Anfang eine „anständige“ Dosis Schmerz geben, den Druck dann sehr schnell wieder lösen und etwa zehn Sekunden warten  bis die Endorphine ihre Wirkung entfalten. Dann können Sie mit der Bearbeitung der Stelle fortfahren.

Behandlungswerkzeuge
Das Grundprinzip beim Gebrauch der Hände ist es, die größtmögliche Kraft mit geringstmöglicher Anstrengung und Anspannung anzuwenden.
Die mechanisch nützliche Position besteht darin, die Finger oder Daumen fast senkrecht zur Körperoberfläche zu halten.

Tipp: unterstützen Sie ihre Finger oder Daumen mit der freien Hand.

Massageball: zu den besten Massagewerkzeugen gehört ein Ball. Die Lacrosse-Bälle sind dafür sehr gut geeignet. Sie sind hart genug, um eine tiefe Wirkung auf die Triggerpunkte zu erreichen, äußerst strapazierfähig und rollen nicht so stark herum.

Tipp: bei schwer zugänglichen Stellen können Sie eine Socke benutzen, um den Ball in der gewünschten Position zu halten.

Viel Glück bei der Selbstbehandlung ;)
Text: Andreas Fischer      
  
Literatur:

D. G. Simons, J. G. Travell, L. S. Simons: Handbuch der Muskel-Triggerpunkte, Obere Extremität, Kopf und Rumpf. Urban & Fischer. ISBN 3-437-41402-X

C. Davies, A. Davies, Arbeitsbuch Triggerpunkt-Therapie,Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, ISBN 3-873-87677-9

5 Kommentare:

Sehr schöner Bericht über Triggerpunkte. In meiner Tätigkeit als Osteopath und Physiotherapeut arbeite ich sehr häufig mit der Triggertherapie.
Diese Therapie hat nicht nur kurzfristige sondern gerade langfristige Erfolge.

Dieser gute Überblick macht neugierig, mehr zum Thema Triggerpunkte und Triggerpunkt-Massage zu erfahren. In diesem Sinne möchte ich zu dem am Ende des Beitrages aufgeführten guten Buch von Clair DAVIES noch ergänzend auf sein erst kürzlich erschienenes zweites Arbeits- und Übungsbuch hinweisen, das sich ausführlich der Schulterproblematik widmet: „Triggerpunkt-Massage der Schultern“ (G.P. Probst Verlag). Etwa 350 Abbildungen illustrieren darin das Auffinden der Triggerpunkte und den an sich meist simplen Ablauf der gut erklärten Triggerpunkt-Übungen bzw. Selbstmassagen. Wir wissen: Rund zehn Prozent aller Mitteleuropäer hat bekanntlich chronische Schulterschmerzen – der Anteil jener, die gelegentlich über Schulterschmerzen klagen, ist noch weitaus höher! Daher kann solch eine wenig aufwendige, aber umso effektivere Heilmethode Segen für unzählige Zeitgenossen bieten, die bisher ihr Kreuz mit dem Kreuz haben.

Ich benutze seit einem Monat die Blackroll zum Aufspüren und weg massieren der Verklebungen und Verhärtungen. Bin total begeistert, wie wirksam und effizient die Blackroll ist.

Beste Grüße
Hartmut

Hey, Ich bin kürzlich bei der Suche medizinische Massage Bern auch auf die Triggerpunkt Massage gestossen. Mittlerweile will ich sie gerade am Hals- und Schulterbereich nicht mehr missen. Gerade bei den Massage Bern Anbietern hatte ich gedacht, dass die med. Massage öfter zum Einsatz kommt. Aber ich bin letztendlich immer bei derselben Massage Praxis gelandet.

Beste Grüsse
Clara

Triggerpunktmassage ist einfach genial aber schmerzhaft. Habe einige Massagehilfsmittel getestet und mir reicht ein Golfball für die Füße und ein großer Flummi für den rücken und den Hüft-Po bereich. Ein Tennisball ist angenehmer aber geht auch schnell kaputt. Yogarolle und diese S-Massagestäbe sind ganz nett aber sind garnicht soo hilfreich.

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